Glossar

Kastensystem

Kastensystem: Die der indischen Gesellschaft eigentümliche Sozialordnung. Man muss unterschei­den zwischen Varna und Jati, was beides in der Regel (und verkürzt) mit "Kaste" übersetzt wird. Zu den vier existierenden Varnas (varna: Farbe) gehören 1. Brahmanen: Priester und Lehrer ("Lehrstand"), 2. Kshatriyas: Krieger ("Wehrstand"), 3. Vaishyas: Händler, Handwerker, Bauern ("Nährstand") und 4. Shudras: Diener, Landarbeiter. Dagegen ist Jati (die Gruppe, in die jemand hineingeboren wird) die oft stark berufsbezogene Gruppe, innerhalb derer nur geheiratet werden darf. In einem Varna gibt es viele Jatis, so dass Jati oft auch mit Unterkaste übersetzt wird. Aber es gibt auch Jatis ohne Varna, nämlich die der Unberührbaren, weshalb diese oft als Kastenlose bezeichnet werden, was aber irreführend sein könnte, da sie ja durchaus in Kasten im Sinne von Jatis organisiert sind. Insgesamt gibt es über 3000 Jatis in Indien. Über die Ursprünge des Kastensystems herrscht Unklarheit. Jedenfalls hat es sich im Laufe der Geschichte als äußerst flexibel gezeigt bei der Integration fremder Gruppen, seien es Inva­soren oder die Stämme der Urbevölkerung (siehe "Adivasis"). Das Kastensystem ist hierarchisch strukturiert. Jede einzelne Kaste (Jati) einschließlich der Unberührbaren hat eine bestimmte Funktion innerhalb des Gesamtsystems. Die Zugehörigkeit jedes einzelnen zu seiner Kaste (Jati) ist durch sein Verhalten im vorigen Leben bestimmt. Eines der obersten Gebote des Hinduismus besteht darin, die Gesetze und Pflichten der jeweiligen Kaste (Jati) strikt zu erfüllen (siehe Dharma). Die meisten mod­ernen Hindu-Reformer haben sich gegen das Kastensystem ausgesprochen, und die indische Verfas­sung stellt die Diskriminierung auf Grund der Kastenzugehörigkeit unter Strafe. Trotz einer gewissen Erosion des Kastensystems v.a. in den Städten besteht es auf dem Lande und besonders im Heiratsverhalten nahezu ungebrochen fort. 

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