Glossar

Gandhi

Gandhi,Mahatma (1869-1948)Prominentester Politiker des modernen Indiens, Führer der in­dischen Unabhängigkeitsbewegung. Mohandas Karamchand Gandhi wurde am 2. Oktober 1869 in Por­bandar, einer Hafenstadt in Gujarat geboren. Der indische Ehrentitel Mahatma (Sanskrit, ‡große Seele—) für geistig hochstehende Persönlichkeiten wurde ihm später verliehen. Sein Vater war Minister eines kleinen indischen Fürstenstaates. Die Familie gehörte der Kaste der Vaishas an. Nach seiner Rückkehr aus England, wo er drei Jahre lang Jura studiert hatte, wurde er wegen eines Rechtsstreits unter indis­chen Geschäftsleuten nach Südafrika gerufen. Er blieb dort fast 20 Jahre, in denen er für die Rechte der dort lebenden Inder kämpfte. 1906 änderte er sein Leben radikal. Er gab sein bürgerliches Leben auf, lebte mit seiner Familie und seinen engeren Anhängern in Ashrams (einer Art Kommune oder re­ligiöser Lebensgemeinschaft) und entwickelte sein Konzept des Satyagraha, des Festhaltens an der Wahrheit, dem Kern seines gewaltlosen Kampfes. Seit 1915 wieder in Indien, übernahm er ab 1920 die Führung des Indian National Congress (INC). Mit drei großen Kampagnen protestierte er gegen die bri­tische Herrschaft in Indien: 1920/21 die Non-Cooperation-Kampagne, 1930 bis 1934 die Bewegung des zivilen Ungehorsams, eingeleitet durch den Salzmarsch vom März 1930, 1940/41 die Kampagne des in­dividuellen gewaltlosen Widerstands. Bereits im Zweiten Weltkrieg forderte Gandhi die sofortige Entlas­sung Indiens in die Unabhängigkeit. Seit spätestens 1942 wurde sein Einfluß im Kongress schwächer. Er konnte die zunehmenden Spannungen zwischen Hindus und Muslimen und schließlich die Teilung Indi­ens nicht mehr verhindern. Am 30. Januar 1948 wurde er von einem Hindu-Nationalisten, der ihm Bevorzugung der Muslime vorwarf und ihn für die Teilung verantwortlich machte, in Delhi erschossen. 

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