Gewalt gegen Dalits: Was die Zahlen verraten

Die jüngsten Daten des National Crime Records Bureau (NCRB) zeigen erhebliche regionale Unterschiede bei der Gewalt gegen Dalits in Indien. Während in Bundesstaaten wie Uttar Pradesh, Rajasthan und Bihar besonders viele Fälle gemeldet werden, sind die Zahlen in Gujarat, Tamil Nadu und Kerala deutlich niedriger. Diese Unterschiede erfordern eine gründliche Analyse der politischen, historischen und sozialen Strukturen. In Uttar Pradesh und Rajasthan tief verwurzelte kastenbasierte Feudalsysteme weiterhin prägend. Landbesitzer*innen aus oberen Kasten kontrollieren Ressourcen und Dalits leben oft in wirtschaftlicher Abhängigkeit; Gewalt dient als Mittel der Machterhaltung. In Tamil Nadu hingegen haben starke Anti-Kasten-Bewegungen über Jahrzehnte Einfluss genommen, was zu einem stärkeren politischen Bewusstsein und damit zu geringerer direkter Gewalt führte, auch wenn Diskriminierung weiterbesteht.

Unterschiede in Strafverfolgung und Berichterstattung spielen ebenfalls eine Rolle. In Bundesstaaten mit aktiven Dalit-Bewegungen ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass Verbrechen angezeigt werden, während in Regionen mit repressiven Strukturen viele Fälle unsichtbar bleiben. Zudem beeinflussen wirtschaftliche Faktoren das Gewaltgeschehen: In Staaten mit besseren Bildungs- und Arbeitsmöglichkeiten sind Dalits weniger vulnerabel, während sie dort, wo sie von kastenbasierten Arbeitsverhältnissen abhängen, stärkerer Gewalt ausgesetzt sind. Niedrigere Fallzahlen bedeuten also nicht zwangsläufig weniger Diskriminierung – sie können vielmehr auf subtilere Formen der Marginalisierung hindeuten. Die Herausforderung bleibt, strukturelle Ungleichheiten zu bekämpfen und Dalits in allen Bundesstaaten ein Leben in Sicherheit und Würde zu ermöglichen.

Mehr dazu hier: https://www.indiancurrents.org/article-the-stark-divide-analysing-regional-disparities-in-atrocities-against-dalits-in-india-dr-john-singarayar-2252.php

Zurück